Einspritzpumpe, Luft im System, Outschraube, Mengenschraube(Spaßschraube), Kanistermethode

Einspritzpumpe entlüften

Die Einspritzpumpe ist, wie das gesamte Treibstoffsystem, im Prinzip selbstentlüftend. Dazu muss nur ausreichend lange der Anlasser betätigt werden.

Insbesondere, wenn nicht nur die Einspritzpumpe, sondern auch Abscheider und Kraftstofffilter leer sind, kann dies mehrere Minuten dauern und belastet sowohl Akku und Anlasser als aber auch die Einspritzpumpe selbst, die ja vom Kraftstoff gekühlt und geschmiert wird, und die Nerven des Ausführenden, unnötig. Bei erheblichem Verschleiß an der internen Flügelzellenpumpe der Einspritzpumpe kann es sogar unmöglich werden. Diese ist nämlich für Flüssigkeiten ausgelegt und fördert Luft aufgrund deren wesentlich geringeren Zähigkeit, zumal bei der geringen Anlasser-Drehzahl, nicht gut.

Daher ist es sinnvoll, alle Komponenten, außer den Leitungen, vorab schon mit Treibstoff zu befüllen, das kürzt den Vorgang erheblich ab!

Bei der Einspritzpumpe erfolgt das Vorab-Befüllen sinnvollerweise über den höher liegenden Rücklauf-Anschluss, an dem die „OUT“-Schraube sitzt:

Hr bitte „anklicken“

Nach dem Vorab-Befüllen sollte der Kraftstoff-Rücklauf, zB. durch Montage der Rückleitung, möglichst zügig wieder dicht verschlossen werden, da sonst der Kraftstoff über den Vorlauf zurück in den Tank fließen kann, weil Luft nachströmen kann. Nach einiger Zeit ist die Einspritzpumpe dann wieder leer.

Luft im System

Bei unseren LT Diesel Einspritzpumpen, handelt es sich um „mechanisch geregelte Pumpen“. Sie verfügen vor allem über zwei Verstellmechanismen: Den Drehzahlregler und den Spritzversteller.

Der Drehzahlregler regelt die Fördermenge so, dass der Motor die zur Gaspedalstellung passende Drehzahl nicht überschreitet, aber auch nicht rußt. Er ist, wie schon an der Dampfmaschine von James Watt, als Fliehkraftregler ausgeführt. Durch Fliehkraft werden Gewichte je nach Drehzahl nach außen gedrückt und wirken über ein Hebelwerk auf den Mengenstellring.

Der Spritzversteller stellt den Zeitpunkt der Einspritzung über Verstellen des Förderbeginns auf den richtigen Zeitpunkt, so dass passend zur Drehzahl der Zündverzug ausgeglichen wird und die Zündung zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, um den entstehenden Verbrennungsdruck optimal in mechanische Arbeit umzusetzen.

Der Spritzversteller arbeitet hydraulisch, durch den Innendruck der Einspritzpumpe wird über einen kleinen Kolben gegen Federdruck der Winkel verstellt, bei dem der Förderkolben der Einspritzpumpe beginnt, Kraftstoff zu fördern. Dadurch wird der Zeitpunkt der Einspritzung verstellt. Der Innendruck wird durch die Flügelzellenpumpe drehzahlabhängig erzeugt, die den Kraftstoff aus dem Tank saugt.

Das Problem bei dieser Art der Verstellung, ist die in die Pumpe eintretende Luft; sie kann den Spritzversteller durch falschen Innendruck in der Einspritzpumpe völlig außer Gefecht setzen, da sie stark kompressibel ist und zudem von der Flügelzellenpumpe schlecht gefördert wird.

Das hat dann starke Leistungsverluste zur Folge!


Einspritzpumpe Außenansicht

OUT-Schraube (Hohlschraube)

Genau hier kommt die OUT-Schraube ins Spiel. Sie wird auch als Hohlschraube bezeichnet. Sie trägt auf dem Kopf eine Gravur „OUT“, daher der Name.

Sie ist bei allen Diesel Einspritzpumpen im gleichen Bereich und immer etwas höher als der Einlass.

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Hinweis

Die OUT-Schraube ist eine sogenannte Hohlschraube. Sie passt auch in den Einlass / Vorlauf, wo eine äußerlich ähnliche Schraube verwendet wird. Sie darf aber nicht vertauscht werden, denn sie verfügt anstelle der üblichen Bohrung über eine kleine Drosselöffnung, um eingetretene Luft in der Einspritzpumpe wieder los zu werden und in Verbindung mit dem Pumpeninnendruck einen gewissen Kraftstoffdurchsatz zu Kühlungszwecken zu erzeugen. Am Einlass würde sie starken Leistungsverlust erzeugen, weil der Motor nicht genügend Treibstoff bekäme.

Um Verwechslungen mit der „normalen“ Hohlschraube am Einlass / Vorlauf zu vermeiden, ist sie auf der Kopfseite mit „OUT“ und dem Durchesser der Drosselbohrung (0.55mm beim LT) beschriftet / kenntlich gemacht.

Diese Bohrung hat nur ca. einen halben Millimeter im Durchmesser, sie ist durch ein feines Metallsieb im Innern vor Verschmutzungen durch Abrieb oder auch Rostpartikel geschützt.

Bei unerklärlichen Leistungsverlusten des Dieselmotors, sollte deshalb immer eine Verschmutzung der OUT-Schraube in Betracht gezogen werden und eine Reinigung erfolgen.

Dazu schraubt man sie ab und entfernt am besten mit Bremsenreiniger und aufgesetztem Sprühröhrchen die Verschmutzung. Mit einer Druckluftpistole kann man dabei die Drosselbohrung von außen her frei blasen.

Wichtig:

Unbedingt mit neuen Dichtringen montieren!
Die Kupferdichtringe gibt es beim Freundlichen unter der Teilenummer N 0138128 für ca. 20Cent/Stück (Stand 2015).
Das Anzugsmoment für die „OUT“-Schraube (SW17) beträgt 25Nm.

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Benötigte Materialien:

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LTpit


Mengenschraube, auch "Spaßschraube" genannt

Die Mengenschraube dient dazu, die maximale Fördermenge der Einspritzpumpe so einzustellen, dass der Motor auch bei Volllast nicht bzw. nur wenig rußt. Dazu drückt sie mit ihrer Spitze auf einen Hebel am Hebelwerk des Fliehkraftreglers und begrenzt die Bewegung des Mengenstellrings in Richtung großer Fördermengen. Da die Einstellung die Erfüllung gesetzlicher Abgasvorgaben betrifft, ist die Mengenschraube ab Werk nach der Justage mit einem Quetschring verplombt. Normalerweise ist eine Verstellung der Mengenschraube nicht nötig.

Bei Veränderungen an der Mengenschraube verändern sich automatisch Abregel- und Leerlaufdrehzahl des Motors. Daher müssen diese abschließend überprüft und ggf. neu justiert werden.

Kleiner Tip …Markiere die Schraube mit Nagellack, damit die originale Position wieder hergestellt werden kann. Das Standgas runter drehen, kannst du an der Schraube die auf der Beifahrerseite an der Pumpe zu sehen ist.

Zuviel Spass erzeugt übrigens zuviel Schwarzrauch. Die Abgasuntersuchung schafft man mit der Einstellung nicht. Deshalb ist es wichtig, die Originaleinstellung wieder finden zu können.

Die Verstellung ist sehr empfindlich. Schon durch relativ kleine Verdrehwinkel kann der LT fast unfahrbar oder zur Rußschleuder werden!
Zur Sicherheit sollte man sich vor einer Verstellung die alte Stellung markieren, um sie notfalls wieder herstellen zu können.

Eindrehen der Mengenschraube im Uhrzeigersinn

erhöht die Fördermenge und dadurch auch das Motormoment, aber auch die Abgastrübung. Die Einstellung ist sehr empfindlich, daher jeweils nur um sehr kleine Winkel (1/12 Umdrehung) verstellen!

Die Spasschraube im Uhrzeigersinn (rein drehen)erhöht die Kraftstoffmengeund bewirkt Erhöhung der Drehzahl


bewirkt das Gegenteil (weniger Fördermenge)


Kanistermethode, zur Prüfung des Tanksystems auf Undichtigkeiten

Um Fehler (Undichtigkeiten, defekten Wellendichtringen, Verstopfungen an der Outschraube, oder durch Verschleiß) an der Einspritzpumpe auszuschließen, eignet sich gut die Kanister-Methode.

Bei dieser Methode wird die Einspritzpumpe über kurze Schläuche, unter Umgehung potenzieller Fehlerquellen und Filter, aus einem sauberen Kanister mit sauberen Treibstoff versorgt.

Methode 1 (für längere Fahrten geeignet): Es werden an der Zu- und Rückleitung der Einspritzpumpe zwei etwa einen Meter lange Kraftstoffschläuche mit ca. 6mm Innendurchmessser angeschlossen und durch die Service Klappe der Motorabdeckung geführt und dann in einen Reserve Kanister mit Diesel geführt.

Methode 2 (für die Diagnose zuhause): Es wird nur die Vorlaufleitung der Einspritzpumpe an einen Kanister geführt, und der Kraftstoffrücklauf nebst Leckölrückführung der Einspritzdüsen bleibt unberührt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Kraftstoff im Kanister über den Rücklauf in den Fahrzugtank gelangt und der Kanister daher sehr schnell leer sein wird.

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Den Kanister mit Spanngurt oder ähnlichem am Sitz befestigen.

Auf diese Art kann man Probefahrten durchführen oder sich auch bei Fehlern im Tanksystem, bis nach Hause retten (mit entsprechendem Nachtanken).

Wenn der Motor damit einwandfrei arbeitet, ist der Fehler im Tanksystem (Filter,Schläuche,Tauchrohre) zu suchen.

Bei Verdacht auf klebende Flügelzellen oder andere Probleme innerhalb der Einspritzpumpe kann der Kanister so hoch gestellt werden (Armaturenbrett, für Fahrten ungeeignet), dass der Kraftstoff alleine schon durch die Schwerkraftwirkung in die Einspritzpumpe gelangt.

Hinweis zum defekten Wellendichtring

Der Austausch kann bei eingebauter ESP mit abgenommenem ESP-Zahnriemenrad erfolgen. Das ist aber nur sinnvoll, wenn die ESP sonst überall noch „knochentrocken“ ist, sonst sollte man über eine komplette Abdichtung nachdenken, zu der die ESP ausgebaut werden muss.

ltpit 13:14, 04 March 2012 UTC


Rückschlagventile einbauen, ja oder nein

Des öfteren findet man in den Zu-/Rücklaufleitungen solche „Rückschlagventile“.

Das Kraftstoffsystem sollte immer dicht sein. Deshalb ist dieses Teil unnötig.

Die eigentliche Ursache der Undichtigkeiten muss gefunden werden!



gerald 13:25, 26 July 2016 UTC




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start/reparaturtips/einspritzpumpe_luft_im_system.txt · Zuletzt geändert: 2016/10/07 20:53 (Externe Bearbeitung)